Wenn unser Herz aus dem Takt gerät …

Prof. Horlitz

… oder Druck in der Brust entsteht“ lautete der Titel des Vortrags von Prof. Dr. med. Marc Horlitz, zu dem die RG Köln eingeladen hatte. Der Vorsitzende der RG, Bernhard von Rothkirch, begrüßte Prof. Horlitz, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Elektrophysiologie Rhythmologie, stellvertretender Ärztlicher Direktor des Krankenhaus Porz am Rhein, Sprecher des „Kooperativen Kölner Herzzentrum beidseits des Rheins“ und Gutachter der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, sowie die zahlreich anwesenden Mitglieder der RG Köln, ihres Kooperationspartners
IfKom und Gäste.

Wenn das Herz aus dem Takt gerät oder wenn Druck in der Brust entsteht, ist das für viele Menschen mit einem großen Angstgefühl verbunden. Zu Recht, nicht selten steckt eine lebensgefährliche Herzerkrankung dahinter, manchmal sogar der Vorbote eines tödlichen Herzinfarktes. Wie Beschwerden richtig und rechtzeitig gedeutet werden und was unbedingt getan werden muss, um gesund zu bleiben und die hohen steigenden Anforderungen des beruflichen Alltags weiter mit Leichtigkeit zu bewältigen, war Hauptgegenstand des spannenden wie unterhaltsamen Vortrags.

Gerade auf dem Zenit der beruflichen Laufbahn ist die Gefahr eines Herzinfarktes groß. Im Vortrag erläuterte Professor Horlitz, warum es schon in relativ jungen Jahren zu dieser lebensbedrohenden Gefahr kommen kann. Er betonte, dass erfolgreiche Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, viel Stress haben – und plötzlich einen Knock-out erleben. Das Alter zwischen 50 und 60 ist da besonders gefährlich, so Horlitz. „Man will noch mal Gas geben, es noch mal allen und vor allem sich selbst zeigen, dass es noch höher hinausgehen kann. Viele merken oft aber nicht, dass sie das Rad überdrehen. Sie werden zudem von einer Woge des Zuspruchs und der Anerkennung getragen. Das macht nicht selten blind für erste Warnsignale, die der Körper sendet, das Gleichgewicht zwischen Körper und Seele verschwindet, am Ende kommt es zu organischen Schäden als Ausdruck dessen, dass man sich zu viel zugemutet hat. Das kann ein Bandscheibenvorfall sein, aber es kann eben auch ein Herzinfarkt sein. Und dann zählt jede Minute und das Leben ist akut in Gefahr!

Das nunmehr dritte Herzkatheterlabor im Krankenhaus Porz am Rhein

Leider fördert unsere Leistungsgesellschaft solche ungesunden Karrieren und erlaubt keine Schwächen. Immer der Erste und Innovativste, ständig erreichbar sein! – und es ist bewiesen, dass Stress Gift für das Herz ist. Wobei natürlich auch hier die Dosis das Gift macht. Wenn wir uns also keine Ruhephasen gönnen, dann kann das „Lebensrad“ schnell überdrehen. Und gerade Manager denken ja geradezu extrem wettbewerbsorientiert und handeln selbst bei ersten körperlichen Beschwerden immer noch nach dem Leistungsprinzip. Schmerzen wollen oder können sie oft im beruflichen Umfeld nicht zugeben, weil sie als Zeichen für Schwäche gedeutet werden können.

Immer noch sterben fast zwei von drei Patienten, wenn sie sich nicht sofort in ärztliche Hände begeben und unverzüglich in ein Herzkatheterlabor gebracht werden. Bei einem akuten Herzinfarkt kann es z. B. zu Kammerflimmern kommen, das innerhalb von Sekunden zur Bewusstlosigkeit führt. Nach fünf Minuten ist der Betroffene dann unbehandelt tot.“

Prof. Horlitz betonte, dass hier schnelle Hilfe gefragt ist: „Unverzüglich die 112 wählen, und zwar bei allen neu aufgetretenen Beschwerden augenblicklich, auch wenn die Symptome nicht so eindeutig sind. Die Gefahr eines Herzinfarktes ist vor allem für Diabetiker und Frauen sehr groß! Frauen entwickeln oft nicht die typischen Beschwerden; sie haben oft unspezifische Schmerzen im Oberbauch, im Unterkiefer oder nur Luftnot. Auch das können Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Also, nicht abwarten!“

Manche Menschen erleben unmittelbar nach dem Berufsleben einen Herzinfarkt. Sie schalten von 100 auf null und geraten durch Nichtstun in Stress. Deshalb den Übergang in den Ruhestand rechtzeitig planen! Wer sich weiterhin beschäftigen möchte, sollte gelernt haben oder lernen mit Stress umzugehen. Stress darf nicht überfordern, sondern muss kompensiert werden. Autogenes Training, Meditation, aber auch eine stabile Familie – all das kann Ausgleich bedeuten.

Auch Ausdauer-Bewegung ist immer gut, also Spazieren, Wandern, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Walken. Gerade wenn jemand bereits herzkrank ist. Sport wirkt wie ein Medikament, weil er z. B. dabei helfen kann, den Blutdruck in einem optimalen Bereich zu halten. Damit einhergehen sollte eine ausgewogene, mediterrane Ernährung, also wenig Fleisch, viel Fisch, gute Öle und frisches Gemüse und Salat.

Nach diesem Vortrag hatten die Teilnehmer natürlich viele – teils persönliche – Fragen, die Prof. Horlitz gern und geduldig beantwortete. Schlussendlich mussten wir ihn quasi den Teilnehmern „entführen“, um unseren Dank auszusprechen und ihn nach einem langen Tag zu seiner Familie gehen zu lassen. Prof. Horlitz dankte seinerseits mit den Worten: „Es war ein wunderbarer Abend bei Ihnen, tolle ­Atmosphäre, angenehme Diskussion! Ich danke Ihnen von Herzen für die Einladung.“

Abschließend nutzten nahezu alle Teilnehmer das angebotene Catering, um ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen etc.

Prof. Dr. med. Marc Horlitz steuerte dank­barerweise große Teile des Artikels bei.

Klaus Siebertz


Bildquellen: © Marc Horlitz