
Einen verborgenen Schatz der Architektur und Kunst konnten Mitglieder und Interessenten bei einer exklusiven Führung am 12. Juni 2026 in Zwenkau bei Leipzig besichtigen und für sich entdecken.
Das Treffen begann in lockerer Runde bei Kaffee und Kuchen im Erdgeschoss des Hauses. Nach einer Einführung durch Pamela Kunert von der Kulturstiftung Landkreis Leipzig konnten wir bei einem Rundgang die Geschichte des Entstehens, der Eigentümer, der in das Haus integrierten Kunstwerke und der beteiligten Moderne-Künstler näher kennenlernen. Viele der dabei aufgetretenen Fragen wurden dabei sachkundig und detailliert von Pamela Kunert beantwortet.
Herausragend bei diesem Bau- und Kunstwerk im Bauhaus-Stil ist, dass es von seiner Errichtung im Jahre 1930 an sowohl im Außenbereich als auch in wesentlichen Teilen der Inneneinrichtung unverändert erhalten geblieben ist. So hat es die Zeiten des deutschen Faschismus, des 2. Weltkrieges, der Nachkriegswirren, der Periode der DDR und der Wende weitestgehend unbeschadet überstanden. Großen Anteil daran hatte das Eigentümer-Ehepaar, der Arzt Erich Rabe und seine Ehefrau Erna, gelernte Krankenschwester. Sie und später die Familie ihrer Tochter bewohnten das Haus von der Errichtung bis 1994. Das Erdgeschoss diente nach einem der Bauhaus-Prinzipien, dem Zusammensein von Beruf und privatem Leben, als Arztpraxis, und die oberen zwei Etagen waren dem Privatleben vorbehalten. 1994 wurde das denkmalgeschützte Haus vom Hamburger Kaufmann und Kunstliebhaber Horst Schmitter erworben und denkmalgerecht saniert. 2020 ging es in den Besitz der eigens dafür gegründeten Kulturstiftung über und wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die kulturelle Einzigartigkeit des kubusförmigen Hauses entstand dadurch, dass dem Architekten Adolf Rading weitgehende Freiheit gewährt wurde, das Haus und dessen Inneneinrichtung nach seinen Ideen zu gestalten. Die Bekanntschaft mit dem ebenfalls den Bauhaus-Ideen verbundenen Maler, Bildhauer und Bühnenbildner Oskar Schlemmer sorgte dafür, dass dessen speziell geschaffene Kunstwerke in das entstehende Haus perfekt eingepasst wurden. Die sehr praktischen und einfachen Lösungen für die Einrichtung, in Kombination von großflächigen Fenstern mit Lichtschleusen und einer über zwei Stockwerke reichenden voll verglasten Veranda vor der Wohnhalle mit bewusst gewählten Farben und farblichen Aufteilungen der Wohnräume, lassen eine enorme Vielfalt von Stimmungen in den Räumen entstehen.
Insgesamt war es eine sehr gelungene, inspirierende und vielfältige Veranstaltung, die den Teilnehmern Historie, persönliche Schicksale und die Kunst der Moderne nähergebracht hat.
Dr. Gustav Dietrich, Vorstandsmitglied