
Eine exklusive Führung durch die Dauerausstellung brachte am 23.Oktober 2025 den Teilnehmern 220 Jahre sächsische Industriegeschichte näher, mit vielen Exponaten, die teilweise auch in Funktion vorgeführt wurden.
Nach einer Begrüßung in der festlichen Halle einer ehemaligen Gießerei, die mit einer originalen Dampfmaschine ausgerüstet ist, begann die Führung durch die Räumlichkeiten des Museums. Es wurde in den 1990er-Jahren in den ursprünglich für den Abriss vorgesehenen Werkhallen des leeren Fabrikgebäudes nach dessen umfassender Restaurierung untergebracht.
Almut Hertel erläuterte uns beim Rundgang durch die Ausstellungshallen sehr anschaulich viele Aspekte und Beispiele der Industrialisierung in Sachsen. Die chronologische Darstellung des Ablaufs der aus England herrührenden Industrialisierung bildete einen Schwerpunkt. Sie begann mit der Mechanisierung der textilen Fadenherstellung (Spinning Jenny), führte weiter über die Nutzung der Wasserkraft als Antriebsquelle und später den Einsatz von Dampfmaschinen. Ende des 19. Jahrhunderts begann der Boom von Chemnitz als „sächsisches Manchester“. Auch zu DDR-Zeiten existierten große Industriebetriebe, in denen zur Wendezeit Umstrukturierungen mit immensen Einschnitten bis zum heutigen Stand erfolgten.
Weiterhin wurden verschiedene Industriezweige und die geleisteten sächsischen Beiträge zur Wirtschaft anschaulich herausgestellt. Dazu zählte etwa der Fahrzeugbau mit Beispielen des dänischen Ingenieurs Ras-mussen als innovativen Erfinder und Unternehmer von DKW (Dampfkraftwagen), Zweitakt-Ottomotoren bis hin zur Motorradproduktion (MZ), oder dem deutschen Ingenieur August Horch als Vorreiter für Audi als Autoproduzent. Weitere Beispiele bilden Leipzig als führende Druck- und Verlagsstadt bis zu den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, die Erfindung der Malimo-Technik durch Heinrich Mauersberger sowie der aus dem Elsass stammende Fabrikant Richard Hartmann als „Sächsischer Lokomotivkönig“.
Neben den Besichtigungen der Exponate führten die Museumsmitarbeiter auch einige Ausstellungsstücke in ihrer Funktion vor und erklärten, etwa eine halbmechanische Spinnmaschine, eine mit verschiedenen Werkzeugmaschinen ausgerüstete Schlosserei mit zentralem Riemenantrieb sowie verschiedene Textilmaschinen.
Die einstündige Führung bildete nur den Appetitshap-pen für eine weitergehende Besichtigung. Da die noch zur Verfügung stehende Öffnungszeit für weitere Erkundungen nicht ausreichte, entstand für viele die Anregung, individuell mit mehr Zeit wiederzukommen. Auch viele Sonderausstellungen bieten weitere interessante Facetten zur Industriegeschichte. In Chemnitz gibt es auch nach dem zu Ende gehenden Jahr als europäische Kulturhauptstadt 2025 für Kunst-, Kultur- und Geschichtsinteressierte weiterhin attraktive Angebote.
Zu weiteren Gesprächen und Austausch über den Besuch im Industriemuseum und andere Themen fanden sich einige Teilnehmer im Anschluss in einem gegenüber liegenden Restaurant zusammen.
Dr. Gustav Dietrich, Vorstandsmitglied der RG