Einblicke in die Werkstätten des grössten Opernhauses Deutschlands

© Wilfried Hösl

Vor den Toren Münchens in Poing erstreckt sich ein riesiges Gelände. Von der Hauptstraße kommen wir zunächst an Arbeitsstätten anderer Theater Münchens vorbei, und plötzlich steht auf riesigen Lettern an einem Gebäude „Nationaltheater“. Später erfahren wir, dass es sich um das gerade neu eingeweihte Lager für 456 Container handelt. In diesem Lager werden die Bühnenbilder aufbewahrt und bei Bedarf mit eigenen Lkw zum Nationaltheater gebracht.

Wir kommen auf unserem Weg zu den Werk­stätten an einem weiteren langen Gebäude vorbei, in dem die Lkw mitsamt den Contai­nern untergebracht werden können – zum Be- und Entladen.

Unser Guide berichtet, dass zum Beispiel für die Aufführung von „Das Rheingold“ für die Bühnenbilder 21 Container benötigt wer­den. In der Regel reichen 7 bis 12 Container.

Auf dem gesamten Gelände einschließlich der Hallen besteht Fotografierverbot. Damit soll vermieden werden, dass vorzeitig Büh­nenbilder oder auch nur Teile davon vor der Premiere im Theater an die Öffentlichkeit gelangen. Die Vorlaufzeit für die Produktion der Bühnen­bilder beträgt rund ein Jahr. Insgesamt sind in Poing cir­ca 70 Beschäftigte mit den unterschiedlichsten Tätig­keiten betraut.

Unser Weg führt uns zunächst in eine 80 Meter lange Halle, den Malsaal. Hier können auch die auf der Bühne verwendeten sogenannten „Rundbilder“ vollständig ausgerollt werden. Zum Zeitpunkt der Besichtigung waren einige Mitarbeiter*innen damit beschäftigt, auf dem Boden ausgelegte großformatige Leinenwände entweder neu zu bearbeiten oder sofern möglich zu reparieren. Eine – wie wir beobachten konnten – sehr zeitaufwändige Handarbeit. Auch eine unter der Decke angebrachte fahrbare Bühne ist vorhanden. Von hier können die Bilder mit Abstand betrachtet und so der Eindruck auf der Bühne nachempfunden werden. Natür­lich wird nicht nach Beauftragung eines Bühnenbildes einfach losgelegt, vielmehr wird nach etwa 14 Tagen eine erste „Bauprobe“ begutachtet.

Deutlich wird, dass eine klare Terminplanung vorliegen muss, um den engen Zeitplan zu bewältigen. In der nächsten Halle ist eine vollständige Schreinerei unter­gebracht. Der größte Teil der Bühnenbilder wird heutzu­tage nicht, wie vermutet, aus Holz hergestellt, sondern wegen der immer häufiger geforderten Tragfähigkeit aus Metall. Davon konnten wir uns in der Metallbearbei-tungshalle überzeugen.

Am Schluss bestand die Möglichkeit, uns in der Werkstatt der Bühnenplastiker mit einem Mitarbeiter zu unterhal­ten und dessen Arbeit zu bewundern. Er schnitze gera­de an einem Engelflügel – hergestellt aus Styropor. Es kommt natürlich immer mal wieder vor, dass der Auftrag­geber – trotz der erstellten Muster – die eine oder andere Änderung wünscht. Da heißt es dann, rasch vor der Pre­miere noch die erforderlichen Änderungen zu erledigen.

Interessant, dass Bühnenbilder weder gekauft noch verkauft werden. Das hängt unter anderem damit zu­sammen, dass die Bühnen der Opernhäuser unter­schiedlich groß sind. Das Urheberrecht der Bühnenbil­der liegt beim Regisseur, bei Ballettaufführungen beim Choreographen. Ein Bühnenbild kostet circa 100.000 bis 300.000 Euro.

Dieser Blick hinter die Kulissen wird sicherlich bei je­dem Teilnehmer beim nächsten Theaterbesuch ver­stärkt den Blick auf die Bühnenbilder lenken.

Rudolf Schmatz, Vorsitzender der RG Süd

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