Mut zur Entscheidung – warum Abwarten selten die beste Strategie ist

„Running in an airport“ Fotograf: Andy Beales Ort: Shenzhen Bao'an International Airport, Shenzhen, China Veröffentlicht: 23. Dezember 2015 (laut ChatGPT)
© Andy Beales/ Unsplash

„Wir sollten noch einmal abwarten.“

Ein Satz, der in Unternehmen vermutlich jeden Tag tausendfach fällt. Noch eine Analyse. Noch eine Abstimmungsrunde. Noch ein Meeting. Vielleicht ergeben sich ja neue Informationen, die die Entscheidung leichter machen.

Natürlich gibt es Situationen, in denen Abwarten richtig ist. Aber es gibt auch Entscheidungen, die nicht besser werden, nur weil man sie länger aufschiebt.

Denn während Führungskräfte auf die perfekte Informationslage warten, passiert häufig etwas anderes: Mitarbeitende verlieren die Orientierung, Projekte geraten ins Stocken und Unsicherheit breitet sich aus.

Führung bedeutet nicht, immer recht zu haben

Eine der größten Herausforderungen für Führungskräfte besteht darin, Entscheidungen zu treffen, obwohl nicht alle Informationen vorliegen.

Die perfekte Entscheidungssituation gibt es selten. Märkte verändern sich, Rahmenbedingungen sind unsicher, Interessen widersprechen sich und die Folgen einer Entscheidung lassen sich nicht vollständig vorhersehen.

Das ist keine Schwäche von Führung. Es ist die Realität von Führung.

Mut zur Entscheidung bedeutet deshalb nicht, vorschnell oder leichtfertig zu handeln. Es bedeutet, die verfügbaren Informationen sorgfältig zu bewerten, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen – und dann irgendwann eine Entscheidung zu treffen.

Denn auch Nichtentscheiden ist eine Entscheidung. Nur eben eine, deren Folgen häufig niemand bewusst verantworten möchte.

Die Angst vor der falschen Entscheidung

Warum fällt Entscheiden manchmal so schwer?

Häufig liegt es nicht am fehlenden Wissen. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Optionen sind bekannt. Und dennoch wird gezögert.

Der Grund ist oft die Angst vor den Konsequenzen.

Wer eine Entscheidung trifft, macht sich angreifbar. Die Entscheidung kann sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Mitarbeitende können anderer Meinung sein. Vorgesetzte können Kritik äußern.

Aber Führung ohne Verantwortung funktioniert nicht.

Eine gute Führungskraft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass jede Entscheidung perfekt ist. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn der Ausgang nicht mit hundertprozentiger Sicherheit vorhersehbar ist.

Unentschlossenheit kostet ebenfalls

Eine falsche Entscheidung kann korrigiert werden.

Unentschlossenheit dagegen kann ganze Organisationen lähmen.

Wenn Teams nicht wissen, wohin die Reise geht, entstehen eigene Interpretationen. Mitarbeitende warten ab. Ressourcen werden gebunden. Prioritäten verschwimmen.

In unsicheren Situationen wünschen sich Menschen nicht zwingend eine Führungskraft, die auf jede Frage sofort die perfekte Antwort hat. Sie wünschen sich vor allem Orientierung.

Und Orientierung entsteht durch Klarheit.

Manchmal lautet die richtige Botschaft deshalb auch:

„Wir wissen noch nicht alles. Aber auf Basis dessen, was wir heute wissen, treffen wir diese Entscheidung.“

Das ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Eine solche Haltung verbindet Entscheidungsstärke mit Ehrlichkeit.

Mut braucht auch die Bereitschaft zur Korrektur

Entscheidungsstärke bedeutet nicht, einmal eingeschlagene Wege um jeden Preis zu verteidigen.

Das Gegenteil kann der Fall sein.

Wer mutig entscheidet, muss auch den Mut besitzen, eine Entscheidung zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Neue Informationen können eine neue Bewertung erforderlich machen. Märkte können sich verändern. Annahmen können sich als falsch erweisen.

Eine Entscheidung zu korrigieren ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen von Führungsschwäche.

Starr an einer Entscheidung festzuhalten, nur weil man sie einmal getroffen hat, kann wesentlich problematischer sein.

Gute Führung braucht deshalb beides: Mut zur Entscheidung und die Größe zur Korrektur.

Drei Fragen können helfen

Wenn eine wichtige Entscheidung immer wieder vertagt wird, können drei einfache Fragen hilfreich sein:

1. Was wissen wir wirklich?

Nicht jede Unsicherheit lässt sich beseitigen. Aber Fakten und Annahmen sollten voneinander getrennt werden.

2. Welche Information fehlt uns tatsächlich noch?

Ist diese Information wirklich entscheidungsrelevant – oder hoffen wir lediglich auf die perfekte Sicherheit, die es ohnehin nicht geben wird?

3. Was passiert, wenn wir nicht entscheiden?

Auch das Abwarten hat Konsequenzen. Diese sollten genauso bewusst bewertet werden wie die möglichen Risiken einer aktiven Entscheidung.

Der entscheidende Moment

Führung zeigt sich nicht nur in Strategiepapiere, Präsentationen oder großen Reden.

Führung zeigt sich oft in einem ganz konkreten Moment:

Dann, wenn die Diskussion zu Ende ist.

Wenn alle Argumente auf dem Tisch liegen.

Wenn klar ist, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben wird.

Und wenn jemand sagen muss:

„Wir machen es jetzt so.“

Genau dann beginnt Verantwortung.

Mut zur Entscheidung bedeutet nicht, keine Zweifel zu haben. Mut bedeutet, trotz berechtigter Zweifel handlungsfähig zu bleiben.

Denn Führungskräfte werden nicht dafür gebraucht, auf den perfekten Moment zu warten.

Sie werden gebraucht, um Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen – gerade dann, wenn sie schwierig sind.

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