
Nils Schmidt – DFK Vorstand
Die Rentenreform kommt in Bewegung. Am 23. Juni 2026 hat die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission ihren Bericht vorgelegt und an Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas übergeben. Auf dem Tisch liegen 33 Empfehlungen – und einige davon könnten spürbare Folgen für Beschäftigte, Unternehmen und die Gestaltung des Übergangs in den Ruhestand haben.
Die Vorschläge betreffen nicht nur die gesetzliche Rente, sondern auch die betriebliche und private Altersvorsorge. Ziel ist es, das Rentensystem langfristig stabiler, finanzierbarer und generationengerechter aufzustellen.
Konkret empfiehlt die Kommission unter anderem:
- Einführung einer gesetzlichen Kapitalrente: Die gesetzliche Rente soll um eine kapitalgedeckte Komponente ergänzt werden. Finanziert werden soll diese über zusätzliche Beiträge, die von Arbeitnehmenden und Arbeitgebern gemeinsam getragen werden.
- Stärkung der betrieblichen Altersversorgung: Die betriebliche Altersversorgung soll verbreitert und attraktiver werden – unter anderem durch weniger Bürokratie, mehr Rechtssicherheit, bessere Übertragbarkeit von Anwartschaften und klarere Kostenverteilung.
- Einbeziehung weiterer Berufsgruppen: Künftig sollen weitere Erwerbstätige in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden, um die Finanzierungsbasis zu verbreitern.
- Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung: Nach 2031 soll die Regelaltersgrenze schrittweise stärker an die steigende Lebenserwartung angepasst werden.
- Einschränkungen beim vorgezogenen Renteneintritt: Die bisherige abschlagsfreie „Rente mit 63“ nach 45 Beitragsjahren soll perspektivisch auslaufen. Auch der frühestmögliche Rentenbeginn mit Abschlägen soll später möglich sein als bisher.
- Änderungen bei der Altersteilzeit: Die Altersgrenze für Altersteilzeit soll angehoben werden. Zudem steht das bisher in der Praxis weit verbreitete Blockmodell zur Disposition.
Die politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Bundeskanzler Merz kündigte an, das Reformpaket zügig und möglichst vollständig umsetzen zu wollen. Auch Bundesarbeitsministerin Bas sprach sich gegen ein Herausgreifen einzelner Punkte aus. Zugleich ist schon jetzt klar: Die parlamentarische Debatte dürfte intensiv werden. Kritik kommt vor allem von Gewerkschaften, Sozialverbänden und Teilen der Opposition. Sie warnen vor zusätzlichen Belastungen und vor Nachteilen für Beschäftigte mit langen oder besonders belastenden Erwerbsbiografien.
DFK-Einordnung: Reform ja – aber nicht mit der Brechstange
Der DFK – Verband für Fach- und Führungskräfte sieht in den Vorschlägen wichtige Impulse. Eine kapitalgedeckte Ergänzung der gesetzlichen Rente kann sinnvoll sein, wenn sie solide ausgestaltet wird. Auch Verbesserungen bei der betrieblichen Altersversorgung, weniger Bürokratie, mehr Rechtssicherheit und bessere Übertragbarkeit von Anwartschaften sind richtige Ansätze.
Aber: Eine Reform dieser Größenordnung darf nicht an der betrieblichen Realität vorbeigehen.
Gerade die geplanten Änderungen beim früheren Renteneintritt und bei der Altersteilzeit hätten erhebliche Auswirkungen auf bestehende Personal- und Trennungspraxis. In vielen Unternehmen sind Altersteilzeit-, Vorruhestands- und Aufhebungsvereinbarungen bislang auf einen Übergang in die Rente rund um das 63. Lebensjahr zugeschnitten. Fach- und Führungskräfte schließen Altersteilzeitverträge zudem häufig im Blockmodell ab.
Wenn diese Grundlagen verändert werden, entstehen schnell praktische Probleme: finanzielle Lücken, versicherungsrechtliche Nachteile oder sogenannte Störfälle bei bereits vereinbarten Modellen.
Der DFK fordert deshalb eine Umsetzung mit Augenmaß. Für bereits geschlossene Altersteilzeit-, Vorruhestands- und Aufhebungsverträge braucht es klare Übergangs- und Vertrauensschutzregelungen. Wer auf geltendes Recht vertraut und darauf seine berufliche und private Lebensplanung aufgebaut hat, darf durch eine Reform nicht nachträglich in Schwierigkeiten geraten.
Die Rentenreform nimmt Fahrt auf – aber noch ist offen, wie schnell und in welcher konkreten Form dieses ambitionierte Projekt umgesetzt wird. Der DFK, Ihr Verband für Fach- und Führungskräfte, wird Sie über alle weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden halten und sich weiterhin für Ihre Interessen einsetzen.