
Noch eine Abstimmungsrunde. Noch ein Termin mit allen Beteiligten. Noch eine Präsentation, die eine bereits bekannte Frage aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet. In vielen Unternehmen wird intensiv diskutiert – und erstaunlich wenig entschieden.
Natürlich sind Abstimmungen wichtig. Gute Entscheidungen brauchen unterschiedliche Perspektiven, fundierte Informationen und manchmal auch einen Kompromiss. Doch irgendwann kippt Beteiligung in Verzögerung. Dann wird nicht mehr diskutiert, um zu einer Entscheidung zu kommen, sondern weiterdiskutiert, um die Entscheidung möglichst lange nicht treffen zu müssen.
Der Managementforscher und Autor Rebecca Homkes beschreibt die Folgen solcher Entscheidungsblockaden als einen Kostenfaktor für Unternehmen: Verzögerungen bremsen die Umsetzung, binden Ressourcen und schwächen das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Führung.
Nicht jede Entscheidung braucht einen Konsens
Führung bedeutet nicht, alle Beteiligten jederzeit zufriedenzustellen. Sie bedeutet, unterschiedliche Interessen ernst zu nehmen, Argumente abzuwägen und anschließend eine Richtung vorzugeben. Wer auf vollständige Einigkeit wartet, überlässt die Entscheidung oft dem Zufall – oder dem Kalender.
Der römische Politiker und Philosoph Cicero wird mit folgendem Satz zitiert:
„Mehr geht durch Unentschlossenheit verloren als durch eine falsche Entscheidung.“
Das heißt nicht, vorschnell zu handeln. Es heißt, zwischen sorgfältiger Prüfung und endloser Vertagung zu unterscheiden. Nicht jede Entscheidung wird richtig sein. Aber auch Nichtentscheiden hat Folgen.
Drei Fragen für den Führungsalltag
Vor der nächsten Abstimmungsrunde lohnt sich ein kurzer Check:
- Was genau muss entschieden werden? Nicht jedes offene Detail muss geklärt sein, bevor es weitergeht.
- Wer entscheidet am Ende? Beteiligung ist wichtig – die Verantwortung muss trotzdem eindeutig bleiben.
- Welche Information fehlt tatsächlich noch? Wenn keine neue Erkenntnis zu erwarten ist, wird weiteres Warten selten helfen.
Gute Führung zeigt sich nicht darin, jede Entscheidung allein zu treffen. Sie zeigt sich darin, die richtigen Menschen einzubeziehen und den Entscheidungsprozess nicht aus dem Blick zu verlieren.
Denn Teams brauchen nicht nur die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Sie müssen auch erleben, dass aus Diskussionen Konsequenzen entstehen.