Die Maschen der Trickbetrüger

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Arno Helfrich, Leiter der Abteilung Kriminalprävention und Opferschutz am Polizeipräsidium München, stellte Trickbetrügereien an Beispielen dar. Einige dieser Betrügereien sind nachfolgend kurz dargestellt.

Besonders perfide ist der sogenannte Enkeltrick. Betrü­ger rufen an, geben vor, dass ein Familienmitglied einen schweren Unfall gehabt habe. Nur durch Zahlung einer größeren Geldsumme könne rasch einer Verhaftung vor­gebeugt werden. Das Geld werde von jemandem in Kürze an der Haustüre abgeholt. Auch der oftmals von den an­gerufenen und verängstigten Angehörigen gewünschte telefonische Kontakt mit dem vermeintlichen Familien­mitglied werde geschickt von den Betrügern durchge­führt. Statt dass die Angehörigen allerdings mit dem Familienmitglied tatsächlich telefonieren können, hören sie lediglich ein Schluchzen, ohne dass auch nur ein Wort gesprochen wird. Die Betrüger nutzen zur Kontaktauf­nahme, aber auch verstärkt SMS oder WhatsApp.

Arno Helfrich warnte eindringlich, sich durch solche Anrufe verunsichern zu lassen. Ganz aktuell war eine Rentnerin in München auf Betrüger hereingefallen und hatte einem Unbekannten an der Türe eine hohe Sum­me Bargeld ausgehändigt.

Eine weitere Betrugsmasche nimmt zu: Falsche Hand­werker kommen unangemeldet und geben vor, Überprü­fungen, zum Beispiel an der Wasserleitung in der Wohnung durchführen zu müssen. Während einer der Täter dden oder die Bewohner*in ablenkt, durchsucht der andere Täter die Wohnung nach Wertgegenständen und Bargeld. Noch dreister gehen Betrüger vor, wenn in diesem Zusam­menhang auch noch vermeintliche Polizisten auftauchen.

Neben diesen Beispielen meldet sich häufig telefonisch angeblich die Polizei bei vermeintlich älteren Personen. Auf dem Display wird dazu als Telefonnummer die „110“ angezeigt. Es wird vorgegeben, in der Nachbarschaft habe es einen Einbruch gegeben. Die Polizei wollte nachhören, ob man etwas beobachtet habe. Geht man auf den Anruf ein, wird rasch deutlich, was die Betrüger wollen: das Geld der Angerufenen. Diese sollen Geld, ei­nem vermeintlichen Polizisten, der in Kürze an der Türe vorbeikommen würde, übergeben, damit nicht weitere Diebstähle passieren könnten.

Hinweis von Arno Helfrich: Die Polizei ruft in diesen Fällen niemals an, um Geld „in Sicherheit“ zu bringen. Außerdem würde die Polizei niemals als Telefonnummer die „110“ verwenden.

Diese Nummer ist eine Notrufnummer, die nur gewählt werden kann. Der Anrufer landet dann auch nicht bei der nächsten Polizeidienststelle, sondern immer in der Ein­satzzentrale, die Kenntnis über sämtliche Einsätze hat.

Angerufene sollten sich, wenn Sie unsicher sind, wer am Telefon ist, unter der Nummer „110“ vergewissern, ob es sich nicht um einen betrügerischen Anruf handelt. Auch wenn die Polizei unangemeldet vor der Tür steht, sei es durchaus zu empfehlen, die „110“ anzurufen und nach­zufragen, ob es sich um tatsächliche Polizisten handelt. Bis zur Klärung würden die Polizisten vor der Türe warten.

Weitere Straftaten: Täter beobachten ihre Opfer beim Bezahlen mit Karte an der Kasse. Die PIN sollte immer verdeckt eingegeben werden. Die Täter verfolgen näm­lich die Eingabe und lassen zum Beispiel, wenn das Op­fer auf dem Parkplatz den Einkauf im Wagen verstaut, eine Glasflasche fallen. In der Regel hilft das Opfer beim Einsammeln der Scherben, und diese Gelegenheit nut­zen die Diebe, um die Geldbörse mit der EC-/Kredit-Kar-te zu stehlen. Anschließend gehen sie umgehend auf Einkaufstour.

Auch werden Personen vor ihrer Haustür abgepasst. Man gibt vor, ihnen beim Tragen des Einkaufs zu helfen und gelangt so in die Wohnung. Oder aber vermeintliche Polizisten sprechen einen Bewohner vor der Haustüre an, schildern von Einbrüchen und begleiten die Bewoh­ner zur Wohnung, um zu prüfen, ob auch hier eingebro­chen wurde. Einer der Täter betritt die Wohnung und ver­wüstet sie in Teilen. Der andere wartet mit dem Opfer vor der Wohnung, um dann anschließend gemeinsam fest­zustellen, dass auch hier Einbrecher tätig waren.

Diese Betrügereien haben in den letzten Jahren stark zugenommen, wie eine Statistik der bayerischen Poli­zei belegt.

In jedem Fall bittet Arno Helfrich, es umgehend der Poli­zei zu melden, wenn Betrüger versucht haben, mit je­mandem Kontakt aufzunehmen. Und er bat eindringlich, gewisse natürliche Vorsicht walten zu lassen.

Wer weitere Infos wünscht, findet diese unter: www. polizei.bayern.de/schuetzen-und-vorbeugen/bera-tung/039355/index.html

Rudolf Schmatz – Vorstand der RG Süd

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