Echte Liebe
Ein Leben mit dem BVB

Autoren: Hans-Joachim Watzke / Michael Horeni
288 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-570-10388-3
Verlag C.Bertelsmann, 2019
20,- €

ines vorab: Dies ist kein Buch NUR für BVB-Fans. Aber es ist ein Buch für alle, die sich für Fußball interessieren und mehr über den Zusammenhang der „schönsten Nebensache der Welt“ und der Führung eines Wirtschaftsunternehmens in Gestalt eines Fußballvereins wissen wollen. Und diese Einblicke sind spannend, stimmen aber zugleich nachdenklich. Nachdenklich insbesondere dann, wenn Fußball tatsächlich nur noch eine Nebensache ist und Leib und Leben von Spielern, Trainern und Mitarbeitern konkret bedroht und gefährdet werden. So wird dem Attentat auf den Mannschafts-Bus von Borussia Dortmund im Jahr 2017 ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Lektüre ist beklemmend und die Ratlosigkeit der Verantwortlichen, wie mit der Situation umzugehen ist, handgreiflich. Die Verantwortung gegenüber den Spielern auf der einen Seite und demgegenüber das Geschäftsmodell Fußball, das weiter bedient werden soll. Die Unsicherheit des BVB-Chefs Hans-Joachim Watzke, wie er seiner Führungsverantwortung in dieser Situation gerecht werden soll, wird eindrücklich beschrieben. Dass mit Michael Horeni ein erfahrener Sportjournalist der FAZ wesentliche Teile des Buchs geschrieben hat, tut dem Werk nicht nur hier spürbar gut.

Gern hätte der interessierte Leser auch bei anderen Themen noch etwas mehr über das Innenleben eines Vereins im Profifußball erfahren. Mit welchen Argumenten ist es Watzke z.B. konkret geglückt, die Gläubiger des hochverschuldeten BVB davon zu überzeugen, den Verein vor dem Konkurs und dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren? Hier und an anderen Stellen bleibt das Buch leider etwas an der Oberfläche, was wohl auch dem Wesen von Hans-Joachim Watzke geschuldet ist, im Zweifel lieber etwas weniger zu offenbaren. Unabhängig davon ist die Lebensleistung von Watzke schon jetzt beeindruckend. Als Unternehmer im Sauerland und als Chef eines Bundesligavereins. Weniger stark ausgeprägt ist dagegen seine Befähigung zur Selbstkritik. Sein Umgang mit Führungspersönlichkeiten anderer Vereine, die zu echten Compliance-Problemen für Borussia Dortmund geführt haben, das unbedachte Anheizen von Fan-Aggressionen gegen andere Vereine passt, wie auch andere Aspekte seiner Führungsart, nicht mehr so recht in die Zeit. Bei allem Wohlwollen, das die beiden Autoren wohl füreinander empfinden, wird das erfreulicherweise nicht unter den Teppich gekehrt. Man darf gespannt sein, wie es mit der Borussia, aber auch mit Hans-Joachim Watzke weitergeht.

go